Erfolgsfaktoren für Medienhäuser – von agil bis Work-in-Progress-Limits

 

Für die Printausgabe von PublishingExperts für Entscheider und Experten hat Berlin Consulting dieses Glossar für den VDZ geschrieben.

 

Agil

Für viele nichts als ein nerviges Buzzword. Doch halt. Wenn man genau hinschaut, erkennt man viele Ansätze, die in einer immer schnelleren Welt ein klein wenig Unterstützung (Verzeihung, natürlich „Support“) bieten. Denn wer wohlgesinnt auf das Thema schaut erkennt: Es geht um Praktiken für gute und effektive Zusammenarbeit, wo „Change“ vor lauter Veränderung gar nicht mehr als solcher erkennbar ist. Ob das wohl für Medienhäuser relevant sein könnte?

 

Agile Prinzipien

Wie, bitteschön, gehen moderne Managementansätze mit Prinzipienreiterei übereinander? Die Antwort liegt auf der Hand: gar nicht. Und doch sollte sich jeder, der die Agilität in seinem Unternehmen oder Team oder in sich selbst steigern möchte zunächst mit agilen Prinzipien beschäftigen. Dies wären zum Beispiel „fortlaufende Anpassung der eignen Planung und Vorgehensweise an äußere Entwicklungen und neue Erkenntnisse“. Oder „größtmögliche Transparenz durch direkte, dialogische Kommunikation“. Und „Arbeiten in selbstorganisierten crossfunktionalen Teams“. Dämmert´s? Na klar, es geht darum, die bestehenden Prinzipien zu hinterfragen und durch neue, für dynamische Entwicklungen besser geeignete zu ersetzen.

 

Agile Praktiken

Wie müssen also unsere lieb gewonnenen Prinzipien durch neue ersetzen. Aber sicher, klappt 100 Pro – schön wäre es! Aber weil eben nur schön WÄRE, gibt es viele agile Praktiken, die es ermöglichen sollen, agile Prinzipien wirklich zu leben. Agile Praktiken unterstützen Teams also dabei agile Prinzipien anzuwenden. Am besten so, dass man es gar nicht merkt.

 

Dailies

Eine ⇒ agile Praktik, in der sich ein Team jeden Tag kurz im Stehen zusammenfindet und sich in 15 Minuten (siehe ⇒ Time Box) austauscht. Jeder beantwortet drei Fragen: Was habe ich seit dem letzten Meeting gemacht? Was plane ich bis zum nächsten Meeting zu tun? Welche Hindernisse stehen mir bei der Erzielung des besten Ergebnisses im Weg? Nun weiß jeder im Team, was ansteht. Kurzer Austausch, Hindernisse aufgenommen, Hindernisse aus dem Weg geräumt, die Arbeit flutscht, dass es ein Träumchen ist. Und wenn jeder im Laufe des Tages wegen des Dailies mindestens 16 Minuten Zeit spart, hat es sich schon gelohnt!

 

Time Box

Eine ⇒ agile Praktik, die vorsieht, dass Meetings exakt nach der vereinbarten Zeit enden. Ohne wenn. Ohne aber. Warum sollte man sich so kasteien? Ganz einfach – mit der Zeit gewöhnen sich alle Teilnehmer an den Zeitrahmen und halten ihn ein. So schafft man mehr in kürzerer Zeit.

 

Taskboard

Eine ⇒ agile Praktik, die vorsieht, dass sich alle Aufgaben des Teams an einem Brett versammeln. Wichtig für das agile Prinzip der Transparenz. An sich nichts Dolles, aber man kann eine Menge daraus machen (siehe ⇒ Pull-Prinzip und Work-in-Progress-Limits).

 

Sprint

Eine ⇒ agile Praktik, die einen längeren Prozess in kurze Abschnitte unterteilt. Meist zwei Wochen, manchmal mehr. Am Anfang wird geplant. Dann schnell Schluss mit Planung und machen! Am Ende des Sprints: zeigen, was man geschafft hat. Nachjustieren, wo immer erforderlich. So erkennt man Missverständnisse und Fehlentwicklungen, bevor es ein Vermögen gekostet hat. Draus gelernt, nächsten Sprint geplant und weitergemacht. Und so weiter und so weiter.

 

Pull-Prinzip

So langsam geht es an´s Eingemachte, an das Prinzip der Selbstorganisation. Sie fragen sich sicher: Was meint das eigentlich? Ganz einfach: dass das Team selbst bestimmt, WIE es die Dinge macht. Und im Pull-Prinzip entscheidet jeder im Team, welche Aufgabe er oder sie als nächstes bearbeitet – man zieht sich also seine Aufgaben und bekommt sie nicht wie im Push-Prinzip aufgedrückt.

 

Work-in-Progress-Limits

Noch eine ⇒ agile Praktik, dieses Mal wieder nah am Kern der Sache. Denn hier geht es um Priorisierung, echte Priorisierung, also nicht so eine Pseudopriorisierung, wo letztlich ALLES Prio 1 sein soll. Was logischerweise nicht sein kann, aber, ach, was soll´s, lasst uns ruhig so tun als ob das ginge. Hier wird dem entgegengewirkt, indem die Anzahl der Aufgaben, die auf der To-Do-Liste stehen dürfen, strikt limitiert wird. Auf dass sich Menschen mal auf eine Sache konzentrieren und diese ordentlich bearbeiten können. Geht letztlich schneller, sorgt für höhere Qualität und weniger Fehler.